Shitstorm«Wahnsinnig asozial»: Lässt Unia Angestellte bei IT-Chaos hängen?24915

Shitstorm«Wahnsinnig asozial»: Lässt Unia Angestellte bei IT-Chaos hängen?24915
Berge von unbearbeiteten Dokumenten und wutgeladene Anrufe – eine interne Quelle erhebt schwere Vorwürfe gegen die Unia-Arbeitslosenkasse. Diese wehrt sich.

Das IT-Chaos bei den Arbeitslosenkassen hält an. Was bei vielen betroffenen Arbeitslosen zu Not und Verzweiflung führt, wird auch für die Mitarbeitenden der Arbeitslosenkassen immer mehr zur Zerreissprobe. Eine anonyme Quelle schildert gegenüber 20 Minuten chaotische Abläufe in der Administration, fehlende Unterstützung durch Vorgesetzte und eine hohe psychische Belastung im Umgang mit verärgerten Kundinnen und Kunden.

Mit dem neuen System ASAL 2.0 sei auch ein neues System zum Scannen von Dokumenten eingeführt worden, doch dieses funktioniere aktuell nicht. Laut der Quelle ist das Problem aber grundlegender: «Wenn Arbeitslose ihre Dokumente über die Website der Unia-Arbeitslosenkasse oder per E-Mail einreichen, müssen diese zuerst ausgedruckt und danach ebenfalls zum Scannen geschickt werden.» Daher lägen Verzögerungen bei der Verarbeitung der Dossiers nicht nur am Postweg.

Dokumente, welche nach dem Drucken nicht eindeutig zugeordnet werden können, würden entsorgt. So berichteten auch viele betroffene Leserinnen und Leser, man hätte ihnen gesagt, ihre Dossiers seien unvollständig, obwohl alles eingereicht worden sei. «Tausende Dokumente bei den Arbeitslosenkassen konnten nicht gescannt werden. Der Arbeitsaufwand, um all das manuell nachzutragen, ist riesig», erklärt die anonyme Quelle.

«Leute senden ihre Dokumente noch mal – es entsteht ein Teufelskreis.»

Dadurch verzögere sich alles: «Wenn Dossiers als nicht vollständig erscheinen, weil Dokumente noch nicht gescannt wurden, senden die Leute ihre Dokumente meistens noch mal, was den Arbeitsaufwand nochmals erhöht – es entsteht ein Teufelskreis.»Die Frustration zeige sich im direkten Kontakt mit den Arbeitslosen. Bis zu hundert Telefongespräche pro Tag führten die Mitarbeitenden momentan, oftmals komme es zu Beleidigungen. Die Person sagt, die Leitungen dürften trotz der technischen Probleme nicht geschlossen werden, um die Mitarbeitenden an den Schaltern zu entlasten. «Wir wissen, dass wir den Leuten nicht helfen können, denn wir können ja nicht auf ihre Daten zugreifen.» Die Leute harrten in der Warteschleife aus, um dann zu erfahren, dass alles umsonst gewesen sei.

Obwohl sich die Krankmeldungen bei Mitarbeitern mittlerweile häufen, würden die Probleme nicht ernst genommen. «Von einem Vorgesetzten wurde uns gesagt, man sei sich der schwierigen Situation bewusst, könne aber nichts ändern», sagt die Person. «Man hat uns gesagt, wenn es uns nicht passt, können wir ja gehen, jede Person sei ersetzbar.» Beschwerden zum Arbeitsklima stiessen bei der Unia auf taube Ohren. Im Team wird vermutet, man wolle Interessenkonflikte zwischen Arbeitslosenkasse und Gewerkschaft vermeiden. Die anonyme Quelle findet das gerade von einer Gewerkschaft «wahnsinnig asozial».

Die Unia widerspricht auf Anfrage von 20 Minuten: «Die Unia Gewerkschaft und Arbeitslosenkasse sind organisatorisch und finanziell, wie vom Gesetzgeber verlangt, strikt getrennt, daher sind Interessenkonflikte ausgeschlossen.» Falls es diesbezüglich zu Missverständnissen gekommen sei, bedauere man dies, heisst es im Statement weiter. Die aktuelle Situation sei weiterhin sehr belastend und stelle eine grosse Herausforderung dar. «Es gibt aber Verbesserungen und konkrete Fortschritte, weitere sollen folgen», schreibt die Unia.

Die Vorwürfe, dass Mitarbeitende nicht ausreichend unterstützt werden, weist die Unia ebenfalls zurück. Man habe die Personalressourcen erheblich verstärkt und eine interne Taskforce behandle alle internen Rückmeldungen. Bei gewissen Standorten werde zum Schutz der Mitarbeitenden auch Sicherheitspersonal eingesetzt.

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

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This article was originally published on 20 Minuten.