CommunitySlawische Frauen«Wir werden darauf trainiert, für Männer interessant zu sein»1.4k42

CommunitySlawische Frauen«Wir werden darauf trainiert, für Männer interessant zu sein»1.4k42
Aufgewachsen mit klaren Erwartungen an Männer – und heute selbstbestimmt? Zwei slawische Frauen aus der Community erzählen, wie sie Liebe, Geld und Verantwortung heute sehen.

Es ist einer dieser Sätze, die sofort etwas auslösen können. Zustimmung. Wut. Augenrollen. «Slawische Frauen wollen keinen faulen Mann», sagt Influencerin Yuliya Benza in einem viralen Video. Geld sei keine Gierfrage, sondern eine Frage von Verantwortung. Wer nichts leiste, falle durch.

Doch was heisst das konkret? Geht es um Sicherheit oder um Luxus? Um Fleiss oder um den Kontostand? Und wie sehen Frauen mit slawischem Hintergrund diese Aussage wirklich, jenseits von Klischees und Instagram-Sketches? Wir haben mit zwei Frauen gesprochen, die aus Osteuropa stammen oder dort verwurzelt sind. Ihre Antworten zeigen: Ganz so einfach ist es nicht.

«Ja, slawische Frauen lieben Geld», sagt Anna (38), die aus der Ukraine stammt und seit über 15 Jahren in der Schweiz lebt. «Und viele wollen nichts dafür machen.» Sie spreche nicht aus Provokation, sondern aus jahrelanger Beobachtung. «Ich bin in der Ukraine aufgewachsen. Die typischen slawischen Frauen fallen auf – nicht nur wegen der Schönheit, sondern wegen ihres Lebensstils.»

Für Anna gehört auch das äussere Auftreten dazu. «Slawische Frauen sind sehr gepflegt, gestylt, laut, präsent. Man hört sie. Das unterscheidet sie vom Rest – und macht sie für Männer interessant.»

Das klassische Modell laute: «Frauenlohn für die Frau, Männerlohn für Familie und Frau – so denken viele», sagt sie. Für sie selbst sei das aber nie stimmig gewesen. «Ich verdiene mehr in meiner Beziehung. Wir haben ein gemeinsames Budget. Wir sind eine Familie.»

Ob Männer für Luxus zahlen sollen, müsse jedes Paar selbst entscheiden. «Wenn er sich das leisten kann – wieso nicht?» Für sie persönlich sei das aber nie okay gewesen. «Ich bin ohne Vater aufgewachsen. Diese Einstellung hatte ich nie. Ich finde das schräg.»

«Natürlich habe ich das so gelernt», sagt Kasia* (39), die in Polen geboren und aufgewachsen ist. «Von meiner Mutter, von meiner Oma, von meinen Tanten. Mädchen wünscht man keinen guten Job – man wünscht ihnen einen reichen Mann.»

Ein guter Mann sei gleichbedeutend gewesen mit einem reichen Mann. «Frauen mussten immer hart arbeiten. Darum wünschten sich die älteren Generationen, dass ihre Töchter es einmal leichter haben.» Selbständig zu sein, ja – «aber für viele war das Plan B. Plan A war der Mann.» Das habe mit der Geschichte zu tun, sagt Kasia.

Was ist dir in einer Beziehung wichtiger: finanzielle Unabhängigkeit oder eine traditionelle Rollenverteilung?

Heute sei es anders: «Meine Generation hatte einen Reality-Check. Frauen wissen: Wenn du etwas willst, musst du selbst dafür sorgen.» In ihrem Umfeld seien die meisten Frauen heute unabhängig.

Warum slawische Frauen für Männer oft attraktiv seien, erklärt Kasia offen: «Wir werden darauf trainiert, eine gute Frau zu sein, interessant zu sein, gut auszusehen, viel zu geben.» Loyalität, Haushalt, Anpassung würden grossgeschrieben, «das macht uns vor allem im Ausland sehr attraktiv». Der Traum vom reichen Mann sei für viele aber kein Traum mehr: «Eigentlich ist es ein Albtraum.»

Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Gesellschaft & Community.

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