Künstliche Intelligenz Neue KI-Firma will die Welt mit Quantencomputern simulieren

Düsseldorf. Bekannte Köpfe aus Europas Start-up-Szene wollen Unternehmen dabei unterstützen, sich auf das mögliche Zeitalter mit Quantencomputern vorzubereiten. Dafür haben sie das Start-up Qutwo gegründet. Es will schon heute mit Software und Künstlicher Intelligenz (KI) das Rechnen auf Quantencomputern simulieren. „Qutwo ist eine KI-Firma für die Quantenwelt“, sagte Finnlands bekanntester KI-Unternehmer Peter Sarlin.

Sarlin zählt – wie Kuan Yen Tan, Mitgründer der deutsch-finnischen Quantencomputerfirma IQM – zu den Initiatoren von Qutwo. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte er, das Unternehmen entwickle eine Betriebssoftware, die den Übergang von klassischen Rechenlasten bis hin zum vollen Quantenvorteil ermöglichen solle. Qutwo adressiert damit ein Problem, das bei vielen Unternehmen zunehmend auf der Agenda steht.

Der IT-Konzern IBM hat den sogenannten Quantenvorteil zuletzt bereits für 2026 in Aussicht gestellt: Bis zum Ende des Jahres will das US-Unternehmen demonstrieren, dass Quantencomputer komplexe Probleme besser lösen können als klassische Rechner. Ob und wann sich Quantencomputing tatsächlich wirtschaftlich nutzbar machen lässt, bleibt damit weiterhin offen.

Doch bei vielen Unternehmen entsteht ein zunehmendes Gefühl der Dringlichkeit: Der Quantenvorteil hätte unmittelbare Folgen, etwa in der Materialforschung oder Quantenchemie. So suchen etwa große deutsche Konzerne aus der Chemie- und Energiebranche nach Möglichkeiten, sich auf das Quantencomputingzeitalter vorzubereiten. Damit der Quantenvorteil für sie nicht zum Quantennachteil wird, müssten Unternehmen relevante Berechnungen auf Quantenrechner verlagern. Das Problem: Viele Unternehmen wissen bislang nicht, was das konkret für ihre Prozesse bedeutet und wie sie sich darauf vorbereiten sollen. Qutwo will hier ansetzen.

Sarlin sieht bei den möglicherweise bevorstehenden Veränderungen Parallelen zur jüngsten KI-Revolution rund um Chatbots sowie Bild- und Videogeneratoren. Seine eigene KI-Firma Silo AI gründete er 2017, lange vor dem Hype um ChatGPT, und verkaufte sie 2024 für 665 Millionen Dollar an den US-Chipkonzern AMD.

„Eine der entscheidenden Voraussetzungen für alles, was im KI-Bereich bisher passiert ist, war der Zugang zu effizienterer Rechenleistung“, sagte Sarlin. Für heutige Rechenlasten mit KI-Anwendungen werden nicht mehr die klassischen zentralen Verarbeitungseinheiten (CPUs) genutzt, sondern Grafikprozessoren, bekannt als GPUs. Ein Großteil der milliardenschweren Investitionen in KI-Start-ups weltweit fließt daher direkt in den Aufbau entsprechender Rechencluster. Sie bilden die Grundlage dafür, dass Chatbots wie ChatGPT oder Claude Code in Sekundenbruchteilen Texte und Programmiercode generieren und Aufgaben erledigen können, die bislang Menschen vorbehalten waren.

Mit den Fortschritten beim Quantencomputing erwartet Sarlin den nächsten Schub für KI-basierte Anwendungen. „Quantencomputing ist im Kern ein Enabler, der uns zu effizienterer Rechenleistung führt und letztlich zu dem, was wir KI nennen“, sagte der Unternehmer.

Öffentliche Debatten über Quantencomputing kreisen häufig um mögliche disruptive Durchbrüche, denen Unternehmen wie IBM und Google nach eigenen Angaben näherkommen. Welche Folgen hat das Erreichen des Quantenvorteils bei wirtschaftsrelevanten Anwendungen? Und welche Auswirkungen hätte erst das Erreichen der Quantenüberlegenheit – also der Punkt, an dem Quantencomputer Aufgaben lösen, die klassische Rechner nicht innerhalb akzeptabler Zeit bewältigen können? Angesichts solcher Szenarien stellt sich das Quantencomputing als zwangsläufig abrupte Entwicklung dar.

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Doch für Sarlin gibt es beim Quantencomputing mehr als den Status „ja“ oder „nein“. „Wir befinden uns in einer Übergangsphase, in der sich die Welt von dem, was wir heute als klassisches Computing bezeichnen, hin zu quanteninspiriertem und hybridem Computing bewegt – und als letzter Schritt zum vollen Quantenvorteil“, sagte er.

Als „hybrid“ bezeichnet er eine kombinierte Nutzung von GPUs und Quantenchips (QPUs). Mit „quanteninspiriert“ meint er, dass Quantenumgebungen in bestehenden Hochleistungszentren simuliert werden könnten. Im Grunde wird also auf heutigen KI-Chips modelliert, wie ein Quantencomputer eine Aufgabe rechnen würde.

Der grundlegende Unterschied liegt in den Recheneinheiten: Klassische Computer arbeiten mit Bits, die nur die Zustände null oder eins kennen. Quantencomputer hingegen rechnen mit Qubits, die eine unendliche Zahl von Zwischenpositionen einnehmen können. Das macht diese Computer äußerst empfindlich und fehleranfällig.

Sarlin sagt in Bezug auf KI-basierte Simulationen: „Der Vorteil ist, dass Probleme mit Fehlerkorrekturen und Fehlertoleranz nicht gelöst werden müssen.“ Unternehmen könnten damit schon heute simulieren, wie Rechnu
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