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Die Kölner Stunksitzungspräsidentin im Interview über eine Kölner Problembaustelle, Markus Söders Fleischfetischismus und die Zukunft der Stunksitzung.

Frau Wanninger, welcher Irrtum über Sie begegnet Ihnen am häufigsten?

Dass ich als Stunksitzungspräsidentin die Chefin bin.

Ich leite den Abend und führe durch die Sitzung, aber ich bin nicht die Chefin. Ich habe genauso viel oder wenig zu sagen wie alle anderen.

Auch in diesem Jahr sind alle 50 Stunksitzungen restlos ausverkauft. Ihr Erfolgs-Geheimnis?

Wir machen jedes Jahr ein neues Programm mit 21 Menschen auf der Bühne, die sehr unterschiedlich sind, aber gute Laune verbreiten. Oft sagt man uns, dass wir sehr viel Menschenfreundlichkeit ausstrahlen. Das finde ich toll, wenn das so ankommt, obwohl wir permanent Menschen in die Pfanne hauen oder Witze über sie machen.

Das ganze Gespräch mit Biggi Wanninger können Sie als Podcast Talk mit K hier hören (hier im Player oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen).

Wie würden Sie die Stunksitzung einem Alien beschreiben?

Gründer und Gründerinnen der Stunksitzung waren Kölner Studierende der Sozialpädagogik, die als Kollektiv im Sommer Projekte für Kinder gemacht haben, zusammengelebt und gearbeitet haben. Als der Sommer vorbei war, kam dann die Frage: Was machen wir im Winter? Soweit ich weiß, hatte Jürgen Becker damals die Idee: Wir machen Karneval. Als absolute Amateure hat man dann angefangen, eigene Sketche zu schreiben und zu spielen mit der Absicht, den verkrusteten machohaften Strukturen des traditionellen Karnevals etwas entgegenzusetzen. Bis heute sind wir ein Kollektiv, entscheiden immer selbst, wo die Reise hingeht. Wir sind absolut autonom und niemandem Rechenschaft schuldig.

Was könnten Sie gerne, was Sie überhaupt nicht können?

Tanzen. Ich bin jetzt nicht unbegabt, was das Tanzen allgemein angeht. Aber tanzen zu können im Sinne von modernem Tanztheater fände ich schon toll. Wer weiß, vielleicht werde ich wieder geboren und stehe als Tänzerin auf der Bühne. Musicaldarstellerin wäre aber auch denkbar. Dann könnte ich tanzen, singen und spielen – also alles auf einmal.

Einen winzigen Makel hat Ihr Leben ja – zumindest würden manche Kölner es so sehen. In Köln geboren sind Sie nicht, sondern nur um die Ecke.

Ich finde das ja pupsegal, wo man geboren ist. Ich bin in Brühl geboren, aber nach fünf Tagen war ich dann in Balkhausen, einem kleinen Ortsteil von Kerpen. Und da bin ich groß geworden.

Ihr Vater war Jungfrau im Dreigestirn. Sie sind mit dem traditionellen Karneval aufgewachsen. Wie war das als Kind?

Ganz toll. Meine Mutter hat mir immer großartige Kostüme gemacht. Als Jugendliche habe ich dann selbst angefangen, mir selbst welche zu nähen. Ich wollte nämlich Modezeichnerin werden. Irgendwie hatte ich schon früh eine kreative Ader. Ich wäre auch gerne in die Ballettschule gegangen oder hätte gerne ein Instrument gelernt. Aber leider konnten mir das meine Eltern aus finanziellen Gründen nicht ermöglichen.

Das war mit 13 in einer Mädchentanzgruppe auf einer Karnevalssitzung in der katholischen Pfarrei. Und dann mit 16 das erste Mal in einer Band als Sängerin beim Abschlussball der Handelsschule.

Sie sind mit 19 nach Köln gezogen. Was war das für eine Zeit?

Gewohnt habe ich im Agnesviertel in einer sehr kleinen Wohnung, sehr preiswert, mit Kohleofen. In der Zeit habe ich am Köln-Kolleg mein Abitur nachgeholt. Essen gegangen bin ich gerne zu einem Griechen, der Plastikgrieche genannt wurde, weil das ganze Interieur aus Plastik bestand. Das war unter anderem ein Treffpunkt der Kölner Polit-Musikgruppe Floh de Cologne, ein Treffpunkt der Linken. Ich selbst habe zu der Zeit in einem Gewerkschaftschor und einer Polit-Songgruppe gesungen. Damals fing das für mich an mit Verbindung aus Kunst, Musik und Politik.

Das kann ich Ihnen ganz genau sagen: Das war 1973, ich war gerade im Freibad von Türnich und hörte im Radio die Nachricht vom Putsch in Chile, wo die gewählte Regierung vom Militär gewaltsam abgesetzt wurde, viele Menschen inhaftiert oder erschossen wurden. Da dachte ich direkt: Das geht absolut nicht. Das war für mich ein gravierender politischer Moment.

Das hat sich alles zufällig entwickelt. Meine erste Klassenlehrerin, mit der ich mich später einige Male getroffen habe, sagte zu mir: Brigitte, du warst schon immer die Erste, die den Finger hob, wenn es darum ging, ein Gedicht aufzusagen. Und im Laufe der Zeit haben sich immer wieder Gelegenheiten geboten, mich künstlerisch zu betätigen. Und die habe ich genutzt.

Das klingt jetzt sehr bescheiden – für eine Frau, die vor mehr als zwanzig Jahren die erste Sitzungspräsidentin in Köln wurde.

Da habe ich gedacht: Leute, ist das wichtig? Für mich war das selbstverständlich.

Ist mir dann auch klargeworden. Wie schade, dass das immer noch nicht selbstverständlich ist. Und auch im Bundestag sind es leider deutlich weniger weibliche Abgeordnete als in der let
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