Unklare Gesetzeslage: Viele Unternehmen passen Betriebsrenten nicht an

Viele Menschen in Deutschland beziehen eine Betriebsrente. Diese muss regelmĂ€ĂŸig an die Inflation angepasst werden – außer die wirtschaftliche Lage des Betriebs lĂ€sst das nicht zu. Das hat schon oft zu Streit gefĂŒhrt.

Fast 20 Millionen Menschen in Deutschland beziehen eine Betriebsrente oder haben Anspruch auf sie. Doch oft ist sie ein Thema fĂŒr Arbeitsgerichte. Laut Gesetz mĂŒssen Unternehmen die Betriebsrente alle drei Jahre an die Inflation anpassen – es sei denn, sie weisen nach, dass ihre wirtschaftliche Lage das nicht erlaubt. Einen Nutzer, der uns aus Essen geschrieben hat, hat der ehemaliger Arbeitgeber nicht einmal darĂŒber informiert, dass er die Rente nicht erhöht.

Es gibt RechtsanwÀlte, die können allein von der Betriebsrente leben. Genauer gesagt: von den StreitfÀllen um sie. Horst Metz aus Köln hat sich darauf spezialisiert. Als Anwalt, aber auch als Vorsitzender des Bundesverbands der Betriebsrentner.

Die Bundesregierung hat eine Ausweitung der betrieblichen Altersvorsorge auf den Weg gebracht. Unternehmen sollen damit mehr Anreize erhalten, BeschÀftigten eine Betriebsrente anzubieten.

Was unser MDR-AKTUELL-Nutzer erlebt hat, komme hĂ€ufiger vor, sagt Metz: Die Rente werde nicht erhöht – und das Unternehmen versuche dann, mit Stillhalten durchzukommen: "Nach der Rechtsprechung muss das Unternehmen natĂŒrlich informieren." Aber im Gesetz stehe es nicht ausfĂŒhrlich. "Und dann sagen die Betriebe: Wenn es nirgendwo steht, muss ich es doch nicht tun, oder?"

Um die Rente auch in Zukunft zu sichern, soll eine Rentenkommission VorschlĂ€ge erarbeiten. Unter anderem setzt die Bundesregierung auf eine StĂ€rkung der Betriebsrente. Ifo-Ökonom Joachim Ragnitz ist skeptisch.

Damit spielt Horst Metz auf die Geschichte unseres Nutzers an: Dessen Arbeitgeber war das Chemie-Unternehmen Inovyn, eine Tochter des britischen Ineos-Konzerns. Im Juni 2025 war die Anpassung seiner Betriebsrente fÀllig.

Warum wurde sie nicht erhöht? Und warum hat das Unternehmen seinen frĂŒheren Mitarbeiter nicht informiert? MDR AKTUELL schickt diese Fragen am 9. Januar an Ineos Inovyn. Darauf geantwortet hat das Unternehmen trotz mehrfacher Nachfrage bis heute nicht.

Wenn man sich mit seiner Altersvorsorge beschĂ€ftigt, tauchen schnell viele Fragen auf: Welche Möglichkeiten gibt es? Reicht die gesetzliche Rente ĂŒberhaupt? Ehrenamtliche beraten dazu auch in Sachsen-Anhalt.

Am 26. Januar schreibt der Personalmanager am deutschen Standort in Rheinberg lediglich: "Jeder ehemalige Mitarbeitende hat die Kontaktdaten unserer Personalabteilung, an die er sich bei jeglichen Fragen wenden kann."

Das hat unser User nach eigenen Angaben im letzten halben Jahr bereits mehrfach getan. FĂŒr Ineos Inovyn mag es wegen der wirtschaftlichen Lage durchaus GrĂŒnde geben, seinen Betriebsrentnern nicht mehr zu zahlen: Im Oktober gab man bekannt, zwei Produktionsanlagen in Rheinberg schließen zu mĂŒssen – 175 ArbeitsplĂ€tze fallen weg.

VorschlĂ€ge fĂŒr eine zukunftssichere Altersversorgung – daran arbeitet seit Jahresbeginn eine neu geschaffene Rentenkommission. Worauf es dabei ankommt, darĂŒber diskutiert die Runde bei "Fakt ist!".

Was fehlt, ist die offizielle BegrĂŒndung. Horst Metz vom Betriebsrentnerverband fordert daher genauere Vorgaben – nicht nur, wenn es ums Informieren geht.

So stört ihn im Gesetzestext etwa der Begriff "wirtschaftliche Lage". Den hĂ€tten erst die Arbeitsgerichte mit Leben fĂŒllen mĂŒssen: "Dann haben die Betriebe gesagt: Was kann ich aus der Bilanz lesen? Das Eigenkapital. Wenn da kein Eigenkapital ist oder es erst aufgefĂŒllt werden muss, weil es verbraucht worden ist, dann braucht der Arbeitgeber nicht anzupassen." Das sei bei kleinen und mittelstĂ€ndischen Unternehmen auch richtig so.

Keine einseitigen KĂŒrzungen der Riester-Rente: Ein Urteil des Bundesgerichtshofs erklĂ€rt eine enstprechende Klausel in VersicherungsvertrĂ€gen fĂŒr unwirksam. Davon könnten mehr als eine Million VertrĂ€ge profitieren.

FĂŒr internationale Konzerne sei es hingegen möglich, das Eigenkapital einzelner Tochterfirmen klein zu halten. Metz‘ BemĂŒhungen stoßen in der Politik bisher auf wenig Gegenliebe. Strengere Vorgaben im Gesetz lehnen sowohl das SPD-gefĂŒhrte Arbeitsministerium als auch die Union ab.

Ein Argument: So kĂ€me noch mehr BĂŒrokratie auf die Betriebe zu. Wenn es um Großkonzerne geht, zeigt sich CDU-Rentenpolitiker Pascal Reddig allerdings aufgeschlossen: "In den großen Konzernen sieht es in der Tat anders aus. Und deswegen halte ich es dort auch fĂŒr richtig, gezielt zu schauen, welche Möglichkeiten es gibt, um diese 'Schlechtrechnerei' zu unterbinden." Es habe in dem Bereich auch schon Klagen gegeben, in denen dann Anpassungen hĂ€tten stattfinden mĂŒssen.

Trotz Rente gehen immer mehr Rentner in Sachsen arbeiten. Sie punkten mit ihrer Qualifikation und beruflichen Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt. Auch soziale Kontakte sind eine Motivation.

Auch unserem Nutzer bleibt aus Sicht von
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