Weitere Vorwürfe in der Affäre um AfD-Vetternwirtschaft

Recherchen von ZDF Frontal zeigen: Mehrere AfD-Abgeordnete sollen Familienangehörige ihrer Parteikollegen beschäftigen. Auch der Spitzenkandidat sei betroffen.

MDR SACHSEN-ANHALT


Do
05.02.2026

17:18Uhr

02:48 min

Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September werden laut Medienberichten Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen die AfD laut. Nach Recherchen von ZDF Frontal sollen mehrere Familienangehörige von Abgeordneten in den Büros ihrer Parteikollegen angestellt sein. Betroffen sei auch der Vater des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Die sogenannten Überkreuz-Anstellungen sind rechtlich nicht verboten, stoßen aber auf Kritik. Die Landtagsverwaltung prüft nun die Beschäftigungsverhältnisse.

Der Vater des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund soll nach Recherchen von ZDF Frontal im Büro des Bundestagsabgeordneten Thomas Korell arbeiten und dafür monatlich 7.725 Euro erhalten. Auch die Eltern des Landtagsabgeordneten Matthias Büttner seien für das Büro Korell tätig. Beide würden monatlich je 556 Euro erhalten, ausgezahlt vom Deutschen Bundestag. Das sollen Dokumente und Quellen belegen, die ZDF Frontal einsehen konnte.

Ein Sprecher des AfD-Landesverbands antwortete auf Anfrage von ZDF Frontal, "zu etwaigen Anstellungsverhältnissen, Vergütungen, Vertragsdetails sowie zu Beziehungsverhältnissen keine Angaben" zu machen. Es handele sich "um schützenswerte personenbezogene Daten, deren Weitergabe oder Kommentierung aus rechtlichen Gründen (...) unzulässig wäre".

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AfD-Spitzenkandidat Siegmund sieht in dem System offenbar kein Problem. Am Montag postete er auf Instagram ein Video, in dem er Stellung zu einer ZDF-Anfrage nimmt. Darin sagt er, er selbst habe überhaupt kein Problem damit, "ein Familienmitglied anzustellen von einem anderen Abgeordneten oder Parteifreund, weil Vertrauen bei uns das Entscheidende ist".

Ihm nütze der bestqualifizierte Mitarbeiter nichts, wenn sich dieser als von "Correctiv", dem "Titanic-Magazin" oder dem Verfassungsschutz herausstelle.

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Ein Mitarbeiter, der seit Jahren für AfD-Abgeordnete tätig sei, auch aus Sachsen-Anhalt, sagte laut ZDF Frontal: "Dass ausgerechnet der Vater des Spitzenkandidaten und Fraktionschefs von Sachsen-Anhalt mit 7.725 Euro pro Monat so üppig vergütet wird, riecht nach Vetternwirtschaft und unzulässiger Bereicherung."

Laut dem Mitarbeiter seien das keine Einzelfälle: "Es hat sich eine Selbstbedienungsmentalität breitgemacht, indem Steuergeld gegenseitig für Familienangehörige eingesackt wird – widerlich." Auch ein anderer AfD-Insider, der mit den Fällen vertraut sei, spreche von einer Praxis mit System.

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Es seien laut Medienberichten nicht die einzigen Überkreuz-Anstellungen, die öffentlich werden. So sollen drei Geschwister des Parlamentarischen Geschäftsführers der Magdeburger AfD-Fraktion Tobias Rausch bei der Bundestagsabgeordneten Claudia Weiss arbeiten, wie die "Zeit" berichtete und wie Rausch dem Medium bestätigte.

Die Tochter von Claudia Weiss wiederum arbeite nach MDR SACHSEN-ANHALT-Informationen für die AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, was auch Recherchen von ZDF Frontal bestätigen würden.

Die Ehefrau des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Hans-Thomas Tillschneider sei zudem einige Monate lang beim Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt angestellt gewesen, wie die "Volksstimme" berichtet.

Für Bundestagsabgeordnete ist es nicht illegal, die Familienangehörigen ihrer Fraktionskollegen zu beschäftigen. Die Mitarbeiter dürfen lediglich keine Verwandten, Partner oder Schwäger des Abgeordneten selbst sein. Eine Überkreuz-Anstellung ist somit möglich.

Auch im Landtag von Sachsen-Anhalt ist laut Abgeordnetengesetz eine Überkreuz-Beschäftigung nicht verboten. Die Landtagsverwaltung antwortete jedoch auf Anfrage von ZDF Frontal: "Aus aktuell gegebenem Anlass werden Beschäftigungsverhältnisse von Abgeordneten einer Überprüfung unterzogen."

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