Kanzler Merz in den Golfstaaten

Analyse | Abu Dhabi · Die Vereinigten Arabischen Emirate sind die letzte Station von Friedrich Merz bei seiner Reise durch die Golfregion. Die Blicke des Kanzlers richten sich aber auch schon woanders hin – nach München und Washington.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kommt in Abu Dhabi an, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

So ist das, wenn man die Beziehungen pflegen will. Bei seinem Stopp in Katar und dem Besuch beim Emir bekommt Kanzler Friedrich Merz (CDU) etwas Landestypisches auf den Teller: edles Kamel. Das Fleisch habe ähnlich wie Rind geschmeckt, heißt es nach dem Essen.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten lässt es sich dann Staatspräsident Muhammad bin Zayed nicht nehmen, den Kanzler höchstpersönlich in seinem noblen Auto vom Präsidentenpalast zum Mittagessen in ein Restaurant zu chauffieren. Was man nicht alles mitmacht oder isst für neue strategische Partnerschaften in der Golfregion.

Nach Saudi-Arabien und Katar sind am Freitag die Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) die letzte Station der dreitägigen Reise des Kanzlers. Auch die Emirate gelten als einer der wichtigsten Player in der Region, ob Iran, Sudan oder Jemen: Bei allen Konflikten nehmen sie eine besondere Rolle ein. Zudem fanden gerade erst in der Hauptstadt Abu Dhabi Gespräche über eine mögliche Beendigung des Ukraine-Krieges statt. Merz und seine Berater haben sich bei der Reise dazu auf dem Laufenden gehalten. Optimistisch sind sie nicht.

Merz betont am Freitag in Abu Dhabi, Deutschland habe auch in den Emiraten ein „hohes Ansehen“, weil man ein guter Investitionsstandort sei. In einer Welt großer Unsicherheiten werde Verlässlichkeit und Stetigkeit auch in den bilateralen Beziehungen gesucht. „Das kann ich aus Deutschland anbieten“, so Merz. „Wir sind ein Land, das verlässlich ist.“

Merz stellt zudem ein mögliches Freihandelsabkommen mit den Emiraten in Aussicht. Im Rahmen des Treffens mit Staatspräsident Muhammad bin Zayed werden diverse Absichtserklärungen unterzeichnet, unter anderem ein Deal von RWE zur Ausweitung der LNG-Versorgung in Deutschland.

Gleichwohl richtet der Kanzler seine Blicke auch schon weiter. In der kommenden Woche findet in München wieder die Sicherheitskonferenz statt. Im vergangenen Jahr kam es bei dem hochrangigen Treffen zu einer heftigen Abrechnung mit Europa durch US-Vizepräsident JD Vance. Aus Sicht der Bundesregierung hat diese Rede aber auch dazu geführt, dass sich in Europa die Erkenntnis beschleunigt hat, unabhängiger werden zu müssen von den USA. Merz spannt daher einen neuen Bogen der strategischen Partnerschaften mit anderen, erst kürzlich war er in Indien. Jetzt die Golfstaaten.

In München wird der Kanzler am Freitag sprechen. Am Tag danach wird US-Außenminister Marco Rubio erwartet. In Regierungskreisen ist man auf alles vorbereitet, mögliche Reaktionen werden bereits intern abgestimmt.

Dann steht noch eine China-Reise des Kanzlers an und Merz wird dem Vernehmen nach US-Präsident Donald Trump am 3. März im Weißen Haus treffen. Es wäre dann sein dritter Besuch in Washington seit Amtsantritt im Mai des vergangenen Jahres. Themen dürften die transatlantischen Spannungen, der Ukraine-Krieg und die Zollpolitik der USA sein. Merz sieht dem Treffen mit einer gewissen Gelassenheit entgegen, er weiß, wie er mit Trump umgehen muss. Und mit der Reise an den Golf hat Merz vorab schon eine Botschaft an die Amerikaner gesendet: Deutschland bewegt sich intensiv in neue Richtungen.

Read Full Article on Rheinische Post →

This article was originally published on Rheinische Post.