Düsseldorf · Das Teamevent kehrt in die Stadt zurück, in der einst Zehntausende Weltklasse-Tennis sahen. Im Castello in Reisholz lebt für wenige Tage die Erinnerung an große Turniere am Rhein auf. Heute boomt der Sport hier zwar an der Basis, aber die Topstars machen einen Bogen.
Spitzentennis mit Baum am Rochusclub: Der World Team Cup im Jahr 1984.
Dass Dietloff von Arnim mal diesen Satz über sein Düsseldorf würde sagen müssen, hätte er sich vor Jahren wohl auch nicht träumen lassen. „Wir wollen in Gebiete reingehen, wo kein Tennis stattfindet.“ Die Landeshauptstadt als Profi-Wüste des weißen Sports? 2026 erntet der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) mit dieser Aussage keinen Widerspruch. Denn von Arnim redet eben über Profitennis. Über Düsseldorf als Turnierstandort. Und da findet am Rhein eben nichts statt. Nichts regelmäßiges. Das ändert sich in dieser Woche. Für eine Woche. Dadurch, dass der DTB sein Davis-Cup-Duell mit Peru im Castello am Freitag und Samstag im Stadtteil Reisholz austrägt.
Ein Hauch der großen Tenniszeiten kehrt also zurück. Dorthin, wo der World Team Cup – später mit von Arnim als Turnierdirektor – zwischen 1978 und 2012 eine feste Institution im ATP-Kalender war. Wo die Mannschafts-Weltmeisterschaft jeden Sommer Topstars und schon mal 75.000 Zuschauer pro Austragung in den Rochusclub lockte und TV-Bilder in 160 Länder aussandte. Dorthin, wo im Dezember 1993 das deutsche Davis-Cup-Team um Michael Stich in der Messehalle im Finale den Titel holte. Dorthin, wo der Rochusclub, für den von Arnim als junger Mann selbst spielte, noch 2022 erstmals den Titel in der Tennis-Bundesliga gewann. Doch all das: Vergangenheit.
2026 finden in Deutschland sieben Turniere der ATP und WTA (250 und höher statt.
Die Gegenwart ist trist. Nicht, was Tennis als Breitensport angeht. Da gibt es Vereine mit Aufnahmestopp. Es fehlt an Hallenkapazitäten. Tennis als Jedermann-Sport boomt. „Seit fünf Jahren haben wir im Tennis in Deutschland steigende Mitgliederzahlen – ich bin optimistisch, dass sich dieser Trend fortsetzen wird“, sagt von Arnim.
Aber in Sachen Profisport, also in punkto „ganz großes Tennis“, herrscht in Düsseldorf Leere. Ebenso in ganz Nordrhein-Westfalen. Gerade einmal die beiden zweitklassigen Challenger-Events in Bonn und Hagen sieht der Turnierkalender 2026 bei den Herren vor. Die Frauentour WTA macht an Rhein und Ruhr erst gar nicht Station. „Seitdem das Turnier im Rochusclub nicht mehr stattfindet, haben wir in unserer Region leider keine großen ATP- oder WTA-Turniere mehr“, sagt von Arnim. Es fehlt, wie andernorts, an Sponsoren. Die selbst ernannte Sportstadt Düsseldorf zieht zwar Topevents in vielen Sportarten an Land. Tennis ist keine priorisierte Spielwiese.
Aber nun eben der Davis Cup. Im Castello. Kostenpflichtiger Inhalt Zwar ohne Alexander Zverev und Daniel Altmaier. Aber mit Publikumsliebling Jan-Lennard Struff, Yannick Hanfmann, Youngster Justin Engel und dem Erfolgsdoppel Tim Pütz/Kevin Krawietz. Mehr als 3000 Zuschauer wollen das sehen. Der DTB hätte wohl noch mehr Tickets verkaufen können. Aber eine adäquate Halle zu finden, ist eben schwierig. Sagt von Arnim. „Am 23. November hat die Auslosung stattgefunden – erst dann stand fest, dass wir zu Hause gegen Peru spielen werden. Also haben wir gerade einmal zwei Monate Zeit, um eine Halle zu finden und das Event zu organisieren.“ Fast alle Hallen seien dann bereits gebucht gewesen, ob mit Sportevents, Konzerten oder anderen Veranstaltungen. „Da wird die Auswahl sehr schwierig, und wir sind froh, dass wir im Castello in Düsseldorf spielen können. Schon bei der letzten Davis-Cup-Partie gegen Belarus war hier eine super Stimmung“, sagt von Arnim.
Besagtes Spiel gegen Belarus fand 2020 statt. Zu Beginn der Corona-Pandemie. Auch im Castello. 4:1 hieĂź es damals fĂĽr Deutschland. Mit Struff. Mit Philipp Kohlschreiber. Und mit Boris Becker als Head of Men's Tennis im DTB.
Der Davis-Cup lockt Zuschauer an. Immer noch. Besser: „noch“. Denn die Kritik am langjährigen Vorzeigeprojekt des Weltverbandes ITF wächst, seitdem das Format vor ein paar Jahren verändert wurde. Hin zu einem Finalturnier am Ende. Weg von der klassischen Heimspiel-Atmosphäre der Vergangenheit. Nicht nur Alexander Zverev äußerte darüber öffentlich seinen Unmut. „Der Davis-Cup ist so etwas Einmaliges – wie der Ryder-Cup im Golf. Der Weltverband muss sich aber Gedanken machen, diesen einmaligen Wettbewerb strategisch so aufzustellen, dass er auch in den kommenden Jahren noch attraktiver wird. Das wird notwendig sein“, sagt auch von Arnim. Er wollte selbst mal ITF-Präsident sein, unterlag aber 2023 gegen Amtsinhaber David Haggerty.
Also will er Tennis weiter vor allem national nach vorne bringen. Und regional. Neulich hat der DTB ein Strategiepapier fĂĽr die Zeitspanne bis 2032 vorgelegt. In dem ist als Ziel festgehalten, dass in sechs Jahren zwei Prozent der Deuts
Spitzentennis mit Baum am Rochusclub: Der World Team Cup im Jahr 1984.
Dass Dietloff von Arnim mal diesen Satz über sein Düsseldorf würde sagen müssen, hätte er sich vor Jahren wohl auch nicht träumen lassen. „Wir wollen in Gebiete reingehen, wo kein Tennis stattfindet.“ Die Landeshauptstadt als Profi-Wüste des weißen Sports? 2026 erntet der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) mit dieser Aussage keinen Widerspruch. Denn von Arnim redet eben über Profitennis. Über Düsseldorf als Turnierstandort. Und da findet am Rhein eben nichts statt. Nichts regelmäßiges. Das ändert sich in dieser Woche. Für eine Woche. Dadurch, dass der DTB sein Davis-Cup-Duell mit Peru im Castello am Freitag und Samstag im Stadtteil Reisholz austrägt.
Ein Hauch der großen Tenniszeiten kehrt also zurück. Dorthin, wo der World Team Cup – später mit von Arnim als Turnierdirektor – zwischen 1978 und 2012 eine feste Institution im ATP-Kalender war. Wo die Mannschafts-Weltmeisterschaft jeden Sommer Topstars und schon mal 75.000 Zuschauer pro Austragung in den Rochusclub lockte und TV-Bilder in 160 Länder aussandte. Dorthin, wo im Dezember 1993 das deutsche Davis-Cup-Team um Michael Stich in der Messehalle im Finale den Titel holte. Dorthin, wo der Rochusclub, für den von Arnim als junger Mann selbst spielte, noch 2022 erstmals den Titel in der Tennis-Bundesliga gewann. Doch all das: Vergangenheit.
2026 finden in Deutschland sieben Turniere der ATP und WTA (250 und höher statt.
Die Gegenwart ist trist. Nicht, was Tennis als Breitensport angeht. Da gibt es Vereine mit Aufnahmestopp. Es fehlt an Hallenkapazitäten. Tennis als Jedermann-Sport boomt. „Seit fünf Jahren haben wir im Tennis in Deutschland steigende Mitgliederzahlen – ich bin optimistisch, dass sich dieser Trend fortsetzen wird“, sagt von Arnim.
Aber in Sachen Profisport, also in punkto „ganz großes Tennis“, herrscht in Düsseldorf Leere. Ebenso in ganz Nordrhein-Westfalen. Gerade einmal die beiden zweitklassigen Challenger-Events in Bonn und Hagen sieht der Turnierkalender 2026 bei den Herren vor. Die Frauentour WTA macht an Rhein und Ruhr erst gar nicht Station. „Seitdem das Turnier im Rochusclub nicht mehr stattfindet, haben wir in unserer Region leider keine großen ATP- oder WTA-Turniere mehr“, sagt von Arnim. Es fehlt, wie andernorts, an Sponsoren. Die selbst ernannte Sportstadt Düsseldorf zieht zwar Topevents in vielen Sportarten an Land. Tennis ist keine priorisierte Spielwiese.
Aber nun eben der Davis Cup. Im Castello. Kostenpflichtiger Inhalt Zwar ohne Alexander Zverev und Daniel Altmaier. Aber mit Publikumsliebling Jan-Lennard Struff, Yannick Hanfmann, Youngster Justin Engel und dem Erfolgsdoppel Tim Pütz/Kevin Krawietz. Mehr als 3000 Zuschauer wollen das sehen. Der DTB hätte wohl noch mehr Tickets verkaufen können. Aber eine adäquate Halle zu finden, ist eben schwierig. Sagt von Arnim. „Am 23. November hat die Auslosung stattgefunden – erst dann stand fest, dass wir zu Hause gegen Peru spielen werden. Also haben wir gerade einmal zwei Monate Zeit, um eine Halle zu finden und das Event zu organisieren.“ Fast alle Hallen seien dann bereits gebucht gewesen, ob mit Sportevents, Konzerten oder anderen Veranstaltungen. „Da wird die Auswahl sehr schwierig, und wir sind froh, dass wir im Castello in Düsseldorf spielen können. Schon bei der letzten Davis-Cup-Partie gegen Belarus war hier eine super Stimmung“, sagt von Arnim.
Besagtes Spiel gegen Belarus fand 2020 statt. Zu Beginn der Corona-Pandemie. Auch im Castello. 4:1 hieĂź es damals fĂĽr Deutschland. Mit Struff. Mit Philipp Kohlschreiber. Und mit Boris Becker als Head of Men's Tennis im DTB.
Der Davis-Cup lockt Zuschauer an. Immer noch. Besser: „noch“. Denn die Kritik am langjährigen Vorzeigeprojekt des Weltverbandes ITF wächst, seitdem das Format vor ein paar Jahren verändert wurde. Hin zu einem Finalturnier am Ende. Weg von der klassischen Heimspiel-Atmosphäre der Vergangenheit. Nicht nur Alexander Zverev äußerte darüber öffentlich seinen Unmut. „Der Davis-Cup ist so etwas Einmaliges – wie der Ryder-Cup im Golf. Der Weltverband muss sich aber Gedanken machen, diesen einmaligen Wettbewerb strategisch so aufzustellen, dass er auch in den kommenden Jahren noch attraktiver wird. Das wird notwendig sein“, sagt auch von Arnim. Er wollte selbst mal ITF-Präsident sein, unterlag aber 2023 gegen Amtsinhaber David Haggerty.
Also will er Tennis weiter vor allem national nach vorne bringen. Und regional. Neulich hat der DTB ein Strategiepapier fĂĽr die Zeitspanne bis 2032 vorgelegt. In dem ist als Ziel festgehalten, dass in sechs Jahren zwei Prozent der Deuts